Einstieg
Warum sitzen rund 30 Fachleute an einem Tisch?
Ausgangslage · ESA, Noordwijk (Niederlande)
Bei der ESA planen 25 bis 35 Fachleute eine neue Raumfahrtmission gemeinsam: vier Stunden pro Sitzung, zweimal pro Woche, oft vier bis acht Wochen lang.
Schema der Concurrent Design Facility der ESA, Fachgebiete als Beispiele.
Warum arbeitet nicht jede Fachperson in Ruhe für sich und gibt am Ende ihren Teil ab?
Alles hängt zusammen. Eine Änderung wandert durch alle Fachgebiete:
„Niemand weiß alles“ erklärt nur, warum es viele sind. Zusammen sitzen sie wegen der Kette – bei der ESA seit 1998.
Könnte ein Team aus KI-Agenten so arbeiten – zum Beispiel für ein Schulprojekt?
Station 1 · Der Auftrag
Ein Satellit in einer Getränkedose
Auftrag: Schätzt zuerst, dann auflösen. Notiert danach zwei eigene Ideen für eine Sekundärmission.
Schema, nicht maßstäblich. Maße und Masse nach den CanSat-Richtlinien der ESA, Starthöhe nach DLR.
Beim CanSat-Wettbewerb baut ein Schülerteam einen Minisatelliten in Dosengröße. Eine Rakete bringt ihn auf etwa 700 m, am Fallschirm sinkt er zu Boden.
Pflichtmission: Luftdruck und Temperatur messen und mindestens einmal pro Sekunde zur Bodenstation funken.
Sekundärmission: denkt sich das Team selbst aus.
Wie lange dauert der Fall bei 10 m/s?
700 m : 10 m/s = 70 s. Gut eine Minute Messzeit.
Was sollte euer CanSat in dieser Minute messen?
Station 2 · Die Idee
Ein Team aus KI-Agenten
Auftrag: Vermutet zuerst: Warum sollen die Agenten in Runde 1 nichts voneinander sehen? Dann tippt Runde 1 an.
Tippt eine Runde an.
Ein Agent ist hier: ein Sprachmodell + eine Rollenanweisung + ein eigener Quellenzettel + ein eigener Gesprächsverlauf. Er wird aufgerufen, antwortet und ist fertig.
E Quellenzettel Elektronik
- Ein Mikrocontroller liest die Sensoren aus und steuert das Funkmodul.
- Viele kleine Sensoren hängen an einem Zwei-Draht-Bus (I²C): Druck, Temperatur, Feuchte, Licht, UV, Beschleunigung, Drehrate, Magnetfeld.
- GPS braucht nach dem Einschalten Zeit, bis es die Position kennt.
- Funk schafft nur wenige Werte pro Sekunde, Bilder kommen auf die SD-Karte.
- Der Akku muss vier Stunden halten.
M Quellenzettel Mechanik
- Beim Raketenstart wirken starke Beschleunigungen.
- Empfohlen: 8 bis 11 m/s Sinkgeschwindigkeit. Größerer Fallschirm: langsamer, aber mehr Abdrift.
- Platz ist knapp, 300 bis 350 g.
- Bei der Landung gibt es einen Stoß, eine Suchhilfe (Piepser, GPS) ist empfohlen.
- Antennen und Klappen erst nach dem Ausstoß ausklappen.
P Quellenzettel Programmierung
- Pflicht: Druck und Temperatur mindestens einmal pro Sekunde funken.
- Aus dem Luftdruck folgt die Höhe, aus der Höhenänderung die Fallgeschwindigkeit.
- 700 m bei etwa 10 m/s: gut eine Minute, rund 70 Messpunkte.
- Schnellere Messungen auf der SD-Karte speichern.
- Zeitstempel für alle Sensoren.
A Quellenzettel Atmosphäre
- Die Temperatur sinkt im Mittel um etwa 0,65 °C pro 100 m. Bei Inversion ist es oben wärmer.
- Feuchte, Feinstaub, CO₂ und UV ändern sich mit Höhe und Wetter.
- Die Abdrift verrät den Wind in verschiedenen Höhen.
- Ergebnisse brauchen einen Vergleich: Bodenmessung, Wetterdaten.
Station 3 · Stufe 1 ohne Programmieren
Ein Chat spielt alle Rollen
1 Chat2 Python + API3 Profis
Du moderierst ein Kolloquium mit vier Rollen: Elektronik, Mechanik, Programmierung, Atmosphäre. [Quellenzettel aller Rollen] Runde 1: Jede Rolle nennt unabhängig zwei Vorschläge. Runde 2: Kritik. Runde 3: Empfehlung.
- E UV-Strahlung in verschiedenen Höhen · Luftfeuchte-Profil beim Sinkflug
- M Landestoß messen und dämpfen · GPS-Suchhilfe mit Abdriftspur
- P Sinkgeschwindigkeit: Luftdruck gegen GPS · Bilder mit Höhe und Zeitstempel
- A Temperaturabnahme mit der Höhe · Windprofil aus der Abdrift
- M zu UV: Die Dose pendelt und dreht sich, die Werte springen.
- P zur Temperatur: Messen wir schon. Bis 700 m sinkt sie im Mittel nur um etwa 4,5 °C.
„Windprofil aus GPS-Abdrift und Luftdruck“ – GPS schon vor dem Start einschalten, danach mit Wetterdaten vergleichen.
Echte Antwort eines Sprachmodells (Claude) vom 26.10.2026, gekürzt.
Auftrag: Lest die Antwort, dann entscheidet euch.
Waren die vier Rollen in Runde 1 wirklich unabhängig?
Bei der vierten Rolle hat das Modell die ersten drei schon vor sich. Es verteilt die Ideen bewusst, darum wirken sie verschieden.
Gut, um die Idee zu zeigen. Zu wenig, um sie zu testen.
Station 4 · Stufe 1 ohne Programmieren
Getrennte Chats – ihr seid die Boten
1 Chat2 Python + API3 Profis
✋ Ausprobieren · im Raum20 Minuten
- Material
- Zettel, Stifte, die vier Quellenzettel aus Station 2. Wer mag: je Gruppe ein Gerät mit der Schul-KI.
- Rollen
- Vier Agenten-Gruppen E M P A, eine Moderationsgruppe als Boten.
- Vermutet: Findet das Team bessere Ideen als eine Gruppe allein?
- Runde 1: Jede Gruppe schreibt mit ihrem Zettel zwei Vorschläge auf, ohne mit anderen zu reden. Mit KI: Rolle und Zettel in einen neuen Chat geben.
- Die Boten sammeln die Zettel und bringen jeder Gruppe die Vorschläge der anderen.
- Runde 2: Jede Gruppe schreibt zwei Kritikpunkte.
- Runde 3: Die Moderation wählt eine Sekundärmission und begründet sie.
Auswertung: Was musste die Moderation alles tun? Was war mühsam? Und stimmte eure Vermutung?
Sammeln, verteilen, die Reihenfolge einhalten, nichts verwechseln, alles aufschreiben.
Getrennte Chats machen die Agenten wirklich unabhängig. Aber das Boten-Spiel ist langsam, und niemand kann es genau so wiederholen.
Ob das Team besser war, zeigt erst ein Vergleich, zum Beispiel mit euren eigenen Ideen aus Station 1.
Sammeln und Verteilen kann ein Programm übernehmen: der Orchestrator. Die Synthese schreibt dann ein eigener Moderator-Agent.
Station 5 · Stufe 2 mit Python
Ein Programm fragt das Sprachmodell
1 Chat2 Python + API3 Profis
- #Schlüssel: geheim wie ein Passwort. Wer ihn hat, fragt auf eure Kosten.
- €Kosten nach Textmenge (Token), für Anfrage und Antwort.
import anthropicMODELL = "…" # Name des Sprachmodellsclient = anthropic.Anthropic() # Schlüssel aus der Umgebung def frage_modell(rolle, zettel, text): antwort = client.messages.create( model=MODELL, max_tokens=400, system=f"Du bist {rolle}. Quellen: {zettel}", messages=[{"role": "user", "content": text}]) return antwort.content[0].text
In Runde 2 soll M die Ideen von E kritisieren. Woher kennt M sie?
Jeder Aufruf beginnt bei null, das Modell hat kein Gedächtnis zwischen den Aufrufen. Was ein Agent wissen soll, muss das Programm in die Anfrage packen.
Station 6 · Stufe 2 mit Python
Der Orchestrator verteilt die Arbeit
1 Chat2 Python + API3 Profis
Auftrag: Geht das Programm Schritt für Schritt durch. Sagt vorher, was als Nächstes passiert.
agenten = ["Elektronik", "Mechanik", "Programmierung", "Atmosphäre"]zettel = lade_zettel() # je Agent ein eigener Quellenzettelfrage = "Welche Sekundärmission für unseren CanSat?" # Runde 1: unabhängig – nur Frage und eigener Zettelideen = {}for a in agenten: ideen[a] = frage_modell(a, zettel[a], frage) # Runde 2: Kritik – jeder bekommt die Ideen der anderenkritik = {}for a in agenten: andere = [ideen[b] for b in agenten if b != a] kritik[a] = frage_modell(a, zettel[a], "Kritisiere: " + " | ".join(andere)) # Runde 3: Synthese durch den Moderatorergebnis = frage_modell("Moderator", "", str(ideen) + str(kritik))speichere_protokoll(frage, ideen, kritik, ergebnis)
Start: Das Programm lädt Agenten, Zettel und Frage.
Station 7 · Stufe 2 mit Python
Das Protokoll: echte getrennte Agenten
1 Chat2 Python + API3 Profis
E Elektronik
① Pendeln und Drehen am Fallschirm: Bewegungssensoren, 50-mal pro Sekunde auf SD-Karte.
② Höhe aus Luftdruck oder GPS? Beide Höhen vergleichen.
M Mechanik
① Kräfte bei Start und Landung: Beschleunigung, mindestens 100-mal pro Sekunde.
② Sinkrate und Abdrift: großer Fallschirm bremst, treibt aber weiter ab.
P Programmierung
① Pendelt der CanSat am Fallschirm? Beschleunigung 50-mal pro Sekunde mit Zeitstempel.
② Luftdruckhöhe gegen GPS-Höhe: Welches Verfahren ist genauer?
A Atmosphäre
① Windprofil aus der Abdrift: GPS-Position jede Sekunde.
② Feinstaub und Luftfeuchte nach Höhe: Staut sich Staub unter einer Inversion?
E kritisiert
A①: GPS braucht nach dem Einschalten Zeit. Spät eingeschaltet fehlen die oberen Höhenmeter.
Verbindung: M② und A① nutzen dieselben Daten.
M kritisiert
A②: Ein Feinstaubsensor mit Lüfter passt kaum in die Dose.
Verbindung: M② und A①, GPS hilft auch beim Wiederfinden.
P kritisiert
M①: Der Landestoß dauert Millisekunden, 100 Werte pro Sekunde verpassen den Höchstwert.
Verbindung: M② und A① – ein Programm für beides.
A kritisiert
E②/P②: Die Höhe aus dem Luftdruck braucht den Bodendruck vom selben Tag.
Verbindung: Pendeln könnte dort stark sein, wo der Wind springt.
Mod Synthese des Moderators
Empfehlung: Sinkrate, Abdrift und Pendeln am Fallschirm messen und auf einer gemeinsamen Zeitachse nach Höhe ordnen.
Hypothese: Der CanSat pendelt stärker in Höhen, in denen sich die Abdrift sprunghaft ändert.
Risiken: GPS braucht Zeit und ist einige Meter ungenau. Die Druckhöhe braucht den Bodendruck vom Flugtag.
Prüfplan: GPS-Test mit nachgestelltem Stoß. Falltest mit Fallschirm, Sinkrate und Pendeln mit einem Video vergleichen.
Echter Durchlauf am 26.10.2026: neun getrennte Aufrufe desselben Sprachmodells (Claude) mit den Quellenzetteln aus Station 2, gekürzt.
Auftrag: Vergleicht die vier Karten in Runde 1 und Runde 2. Was fällt euch auf?
E und P schlagen fast dasselbe vor. In Runde 2 finden drei von vier dieselbe Verbindung.
Alle liefen auf demselben Sprachmodell. Getrennte Rollen machen noch keine verschiedenen Köpfe.
Und: Ob die Kritik stimmt, hat noch niemand geprüft.
Station 8 · Stufe 2 mit Python
Warum nicht einfach 50 Agenten?
1 Chat2 Python + API3 Profis
✎ Zettel und Stift · jede und jeder für sich8 Minuten
Der Orchestrator aus Station 6 arbeitet mit n Agenten: Runde 1 ein Aufruf je Agent, Runde 2 ein Aufruf je Agent, dazu ein Aufruf für den Moderator. In Runde 2 bekommt jeder Agent die Antworten aller anderen aus Runde 1 mitgeschickt.
- Wie viele Aufrufe sind es bei 10 Agenten? Bei 50?
- Wie viele fremde Antworten werden in Runde 2 insgesamt mitgeschickt – bei 10 Agenten, bei 50?
- Stellt für beides eine Formel mit n auf.
Für Schnelle: Ihr verdoppelt von 10 auf 20 Agenten. Wie ändern sich Aufrufe und mitgeschickte Antworten? Was heißt das für die Kosten?
a) 2 · 10 + 1 = 21 Aufrufe, 2 · 50 + 1 = 101 Aufrufe.
b) Jeder bekommt die Antworten der n − 1 anderen: 10 · 9 = 90, 50 · 49 = 2450.
c) Aufrufe: 2n + 1 · mitgeschickt: n · (n − 1)
Für Schnelle: Aufrufe 21 → 41 (knapp doppelt), mitgeschickt 90 → 380 (gut viermal so viel). Bezahlt wird nach Textmenge: Der mitgeschickte Text – und damit ein Großteil der Kosten – wächst fast mit dem Quadrat der Agentenzahl.
Station 9 · Stufe 3 in der Forschung
Was Profis zusätzlich brauchen
1 Chat2 Python + API3 Profis
Tippt die Bausteine an.
Echtes Beispiel: „Co-Scientist“ von Google DeepMind (Nature, Mai 2026). Agenten erzeugen Hypothesen, begutachten sie, lassen sie im Turnier antreten und entwickeln die besten weiter. Suchwerkzeuge gleichen mit Fachliteratur ab.
Einige Hypothesen bestätigten sich im Labor, etwa ein Wirkstoffkandidat gegen Leberfibrose.
Die ESA plant Missionen weiter mit menschlichen Teams – KI-Agenten sind dort ein Ausblick. Stand: Oktober 2026.
Welcher Baustein hätte die Kritik aus Runde 2 am besten überprüft?
Werkzeuge, Mensch und Experiment. Ein Falltest misst die Sinkrate wirklich. Agenten können sich kritisieren – prüfen kann erst etwas außerhalb des Modells.
Station 10 · Rückblick
Drei Stufen im Vergleich
| Stufe 1 · Chat | Stufe 2 · Python + API | Stufe 3 · Profis | |
|---|---|---|---|
| Agenten getrennt | ein Chat: nein · getrennte Chats: ja | ja, je ein Aufruf | ja, auch verschiedene Modelle |
| eigene Quellen je Agent | nur in getrennten Chats | ja | ja, dazu Suche |
| wiederholbar, mit Protokoll | nein | ja | ja |
| Prüfung von außen | nein | nein | Werkzeuge, Fachleute, Labor |
| Aufwand | gering, ohne Programmieren | Programm, Schlüssel, Kosten | Forschungsteam, Rechenzentrum |
✓ ja · ✗ nein · (✓) teilweise
Auftrag: Entscheidet euch zuerst, dann auflösen.
Sind 10 KI-Agenten klüger als eine KI?
Studien zeigen: Debatten mehrerer Agenten schlagen einfachere Verfahren nicht zuverlässig. KI-Ideen wirken oft neu, verlieren aber deutlich, wenn man sie wirklich umsetzt.
Entscheidend ist die Prüfung.
Station 11 · Ausblick
Euer eigener Satellit
Auftrag: Plant eure Sekundärmission. Welche Rollen bekommt euer KI-Team – und was prüft ein Mensch oder ein Test?
Deutscher CanSat-Wettbewerb
ESERO Germany (ESA) und DLR
- ab 14 Jahren, vor allem Sekundarstufe II
- Teams aus mindestens vier Schülerinnen und Schülern, empfohlen vier bis sechs
- Bewerbung für 2026/27 lief bis 4. Oktober 2026
- Startkampagne 15. bis 19. März 2027 in Bremen, Start auf etwa 700 m
Stand: 26. Oktober 2026
Astro Pi – Mission Space Lab
ESA und Raspberry Pi Foundation
- für Jugendliche in Europa und Kanada, 12 bis 19 Jahre, Teams aus zwei bis sechs
- Euer Python-Programm läuft zehn Minuten auf der Raumstation ISS und misst mit Sensoren oder Kamera.
Stand: 26. Oktober 2026
Wie Agenten mit Werkzeugen arbeiten: Klicktafel Vom Chatbot zum Agenten.